Regulationsstörungen beim Baby: Ursachen, Dauer & Therapie

Manche Babys weinen und schreien in den ersten Lebensmonaten exzessiv. Und das scheinbar grundlos. Auch Tricks zum Beruhigen helfen da meist nicht weiter.

In einem solchen Fall könnte eine Regulationsstörung die Ursache sein. Was das ist, woran man sie erkennt und wie man mit ihr umgeht, erfährst du im Folgenden.

Was ist eine Regulationsstörung im Säuglings-Alter?

Fachleute sprechen bei Säuglingen von einer Regulationsstörung, wenn diese ihr Verhalten nicht angemessen (selbst) regulieren können. Sie äußert sich vorrangig durch Schlafprobleme, Fütterstörungen oder übermäßiges Weinen. Umgangssprachlich werden Babys mit Regulationsstörung als „Schreibabys“ bezeichnet.

Dauer der Störung

Meist tritt eine Regulationsstörung in den ersten drei Lebensmonaten auf. In seltenen Fällen halten die exzessiven Schreiphasen auch darüber hinaus an, etwa bis zum 6. – 7. Monat.

Schreibabys: Wie viel Schreien ist „normal“?

Säuglinge weinen und schreien – das ist nichts Ungewöhnliches. Verschiedene Forscher sprechen von 1 – 2 Stunden pro Tag, an denen ein Baby in den ersten 3 Lebensmonaten schreit.

Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Meist möchte der Säugling durch seine Laute auf ein konkretes Problem hinweisen. Beispielsweise ist das Baby hungrig, müde, krank oder es hat volle Windeln. Bei solchen Angelegenheiten sind das Schreien und Weinen einfach nur natürliche Reaktionen.

Von einem Schreibaby sprechen Experten dann, wenn es über mehr als 3 Wochen hinweg mehr als 3 Stunden an mindestens 3 Tagen pro Woche schreit. Man nennt diese Rechnung auch „Dreierregel“.

Ursachen: Warum schreit mein Baby so viel?

Fakt ist: Es wurde weltweit bislang keine eindeutige Erklärung für Regulationsstörungen bei Babys gefunden.

Viele Verhaltensforscher gehen davon aus, dass die Selbstregulation als Entwicklungsschritt bei manchen Säuglingen früher, bei anderen später eintritt. Folgt man dieser Erklärung, so ist es normal, dass manche Babys eben mehr und andere weniger in den ersten Lebensmonaten schreien.

Nicht außer Acht zu lassen sind die psycho-sozialen Facetten der Eltern-Kind-Beziehung: Die Eltern können sich das Weinen ihrer Babys häufig nicht erklären, das Kleine scheint ohne Grund zu schreien. Viele Mütter und Väter reagieren dann verzweifelt und fühlen sich schuldig daran, dass sich ihr Kind nicht beruhigt. Der Säugling spürt diese Unsicherheit – sie überträgt sich auf ihn und er fängt an zu schreien. Ein Teufelskreis der Verunsicherung zwischen Eltern und Baby entsteht.

Regulationsstörung-Therapie: Was kann man tun?

Hat man das Gefühl, dass das Baby zu viel schreit oder es ihm nicht gut geht, sollte man einen Arzt aufsuchen. Der Kinderarzt kann dann ausschließen, dass Erkrankungen und Schmerzen die Ursache für das viele Weinen sind. Dazu untersucht er bspw., ob die Harnwege oder der Darm entzündet sind, Hirnerkrankungen, Verstopfungen oder Knochenbrüche vorliegen. Da das Schreien häufig beim oder nach dem Füttern eintritt, werden manchmal auch Allergietests, bspw. auf Kuhmilch, durchgeführt.

Wenn der Kinderarzt Erkrankungen und Allergien ausschließen kann, gibt es keine Therapie, um das Schreien in den Griff zu bekommen. Wir empfehlen jedoch diese zwei Dinge zu tun, wenn alles zu viel wird:

  1. Schreiambulanz aufsuchen. Diese findet sich meist in Kinderkrankenhäusern. Dort erhält man Tipps von Fachleuten.
  2. Austausch mit anderen Eltern und / oder Hebamme. Viele andere Familien kennen dein Problem und teilen es oder haben es bereits hinter sich gebracht. Das macht Mut, die knapp drei Monate ebenfalls durchzustehen.

Generell hilft es, sich vor Augen zu halten, dass die Regulationsstörung nur eine begrenzte Zeit anhält und dann quasi von einem Tag auf den anderen verschwindet.